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„Industrieller Druck bietet Wachstumsperspektiven für den Druckmaschinenbau“

Industrieller Druck ist im Alltag allgegenwärtig. Denn immer mehr Produkte werden drucktechnisch veredelt: Metalle, Keramiken und Glas, Bodenbeläge, Möbel, Holz, Textilien sowie Fahrzeugkomponenten, Motoradhelme und Sportgeräte. Im Interview spricht Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbands Druck- und Papiertechnik im VDMA, über die Wachstumschancen des Druckmaschinenbaus im Industriellen Druck, über technologische Herausforderungen und über die Vielfalt an Anwendungen in diesem Markt.

Herr Dr. Heering, was unterscheidet „Industriellen Druck“ vom graphischen Druck oder vom Verpackungsdruck?

Dr. Markus Heering: Wir sprechen vom Industriellen Druck, wo Drucktechnik in industrielle Fertigungslinien integriert ist und wo neben einer graphischen Gestaltung auch mehr Funktionen hinzukommen können. In Fahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen und Yachten werden neben Scheiben und Sonnendächern verschiedenste Schalter und Flächen im Interieur bedruckt. Wenn man sich zum Beispiel den Automotive Bereich anschaut, wird das an Bauteilen wie dem Armaturenbrett und dem veredelten Kühlergrill deutlich.

Schon diese Beispiele spiegeln ein sehr breites Spektrum wider…

Heering: …und sie benennen doch nur einen winzigen Ausschnitt der Anwendungen. Wenn Sie im Skiurlaub sind, sehen Sie bedruckte Skier, Snowboards und Helme. Im Skatepark sind es die Skateboards. In Ballsportarten sehen Sie bedruckte Bälle. In Gebäuden sehen wir bedruckte Vorhänge, Bettwäsche und Bodenbeläge, sei es immer individueller bedrucktes Laminat oder Auslegware. Daneben werden Kacheln, Fliesen, Teller, Tassen, Schüsseln und eine Vielzahl weiterer keramischer Produkte mit drucktechnischen Verfahren hergestellt. Heutzutage wird bereits etwa jede zweite Fliese mit drucktechnischen Prozessen hergestellt bzw. verdelt. Weitere Anwendungsfelder liegen in den Bereichen Flach- und Hohlglas und Oberflächen von Fassadenelementen.

Wie verträgt sich eine solche Fülle an Anwendungen mit Drucktechnik, die oft auf hohe Auflagen und schnelle Zyklen hin optimiert ist?

Heering: Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Im Bereich der gedruckten Elektronik geht es in vielen Anwendungen zwar um eine hohe Wertschöpfung, aber um Mengenvolumina die kaum reichen, um eine moderne Druckmaschine auszulasten. Im Bereich der Bodenbeläge, Keramiken und in der Glasindustrie sieht es ganz anders aus. Allein im Keramikmarkt sprechen wir von einer jährlich zu bedruckenden Fläche, die sich im zweistelligen Milliarden-Quadratmeterbereich bewegt. Hinzu kommt, dass der Industrielle Druck in vielen Segmenten stark wächst. Für Druckmaschinenbauer bietet sich also die Chance, hier mit moderner Technik Lösungen anzubieten und mit dem Markt zu wachsen.

Lässt sich das Wachstum beziffern?

Heering: Laut Prognosen von Smithers Pira wird der globale Umsatz bis 2018 auf über 100 Mrd. US-Dollar steigen; das wäre eine Verfünffachung des Marktvolumens binnen 10 Jahren und mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Umsatz von 2013. Marktanalysen sehen in allen genannten Anwendungsbereichen teils deutlich zweistellige Zuwächse.  

Welche Druckverfahren sind im Industriellen Druck gefragt?

Heering: Das Gros der Anwendungen entfällt heute auf Inkjetdruck. Auch der Tampondruck, Sieb- und Flexodruckverfahren spielen eine Rolle. Digitaldruck und analoge Verfahren ergänzen sich teils perfekt. So nutzen Hersteller von Bodenbelägen, Textilien und Keramikprodukten das Inkjetverfahren, um neue Muster in kleineren Auflagen zu drucken und damit die Kundenresonanz zu testen. Besonders beliebte Designs drucken sie dann mit analogen Verfahren schnell und kostengünstig in hoher Auflage, um der Nachfrage gerecht zu werden. Lässt die Nachfrage nach, können sie eintröpfelnde Bestellungen wieder per Inkjetdruck bedienen. Inkjet ist zudem auch das Mittel der Wahl, um Massenprodukte zu individualisieren.

Welche technologischen Herausforderungen sind im Industriellen Druck zu lösen?

Heering: Oft ist die Drucktechnik als Prozessschritt in große Fertigungslinien integriert. Es kommt also einerseits auf hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit an. Unter anderem darum setzen viele Hersteller auf langjährig erprobte und bewährte analoge Verfahren, für die auch ein breiteres Angebot an Betriebsstoffen bereitsteht. Andererseits müssen Schnittstellen an die Einbindung in zunehmend vernetze, digitale Prozessketten der Industrie 4.0 angepasst werden. Und es geht um die Weiterentwicklung der Druckfarben und Tinten, um die nötige Präzision und Funktionalität in den Anwendungen gewährleisten zu können, um Farbechtheit auf unterschiedlichsten Untergründen garantieren zu können und um die Migration von gesundheitsschädlichen Chemikalien in Lebensmittel, Spielzeuge oder Bekleidungstextilien ausschließen zu können.

Unterstützt der Fachverband Druck- und Papiertechnik im VDMA seine Mitglieder bei der Klärung solcher Fragen?

Heering: Wir haben den Arbeitskreis „Industrieller Druck“ initiiert, in dem wir uns gemeinsam mit diesen Herausforderungen befassen und eine Forschungslandkarte entwickelt. Daraus leiten wir dann konkrete Projekte für die vorwettbewerbliche Gemeinschaftsforschung ab. So können unsere Mitglieder gemeinsam Grundlagen erarbeiten und erforschen, auf deren Basis sie ihre Prozesse und Produkte schneller an die Anforderungen der Märkte anpassen können.

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