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Unternehmen schlagen Alarm – mangelnde Baustellenkoordination belastet Wirtschaft und Pendler

Die IHK Saarland sieht die zunehmenden Verkehrsbehinderungen auf den wichtigsten Verkehrsachsen des Landes mit wachsender Sorge. Hintergrund sind zahlreiche Rückmeldungen von Unternehmen aus Industrie, Handel, Logistik, Gastronomie und Tourismus, die von erheblichen Belastungen durch die aktuelle Baustellensituation berichten. Nach Auffassung der IHK liegt die zentrale Herausforderung dabei nicht in den notwendigen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten selbst, sondern in der unzureichenden Steuerung der zahlreichen Baustellen im Saarland.

„Die saarländische Wirtschaft steht zur notwendigen Sanierung unserer Infrastruktur. Aber sie erwartet zu Recht, dass Baustellen professionell geplant, koordiniert und kommuniziert werden. Was wir derzeit erleben, ist für viele Unternehmen kaum noch tragbar: Beschäftigte, Kunden und Lieferverkehre verlieren täglich wertvolle Zeit im Stau, Abläufe geraten durcheinander, Kosten steigen. Die Rückmeldungen aus den Betrieben zeigen klar: Die Belastungsgrenze ist vielerorts erreicht. Baustellen dürfen nicht länger isoliert betrachtet werden, sondern müssen als Teil eines funktionierenden Verkehrssystems gesteuert werden. Wir brauchen eine bessere Abstimmung der Maßnahmen, mehr Transparenz und deutlich mehr Tempo bei der Umsetzung. Dauerstaus und jahrelange Einschränkungen dürfen nicht zum Normalzustand auf den Verkehrsachsen des Saarlandes werden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé.

Besonders kritisch sehen die Unternehmen die Häufung mehrerer gleichzeitig bestehender Verkehrseinschränkungen. Neben der Grundsanierung der A 620 zwischen Völklingen und Saarbrücken sorgen derzeit auch die Einschränkungen auf der A 6 zwischen den Anschlussstellen St. Ingbert-West und Rohrbach, auf der A 8 bei Neunkirchen sowie die Situation rund um die Saarbrücke in Mettlach für zusätzliche Belastungen. Die Folge sind längere Fahrzeiten, Umwegverkehre und eine spürbar schlechtere Erreichbarkeit von Unternehmen, Innenstädten und Gewerbestandorten.

Unternehmen berichten der IHK insbesondere von Verzögerungen im Liefer- und Logistikverkehr, steigenden Transportkosten, eingeschränkter Erreichbarkeit von Betriebsstandorten sowie rückläufigen Kundenfrequenzen im Handel und in der Gastronomie. Hinzu kommen teilweise unzureichende Informationen über Umleitungen und fehlende Hinweise darauf, dass Gewerbestandorte, Innenstädte, Gastronomiebetriebe und touristische Ziele weiterhin erreichbar sind.

„Erreichbarkeit ist für viele Betriebe keine Komfortfrage, sondern eine wirtschaftliche Existenzfrage. Wenn Kunden, Gäste oder Lieferanten den Eindruck gewinnen, Innenstädte, Gewerbestandorte oder touristische Ziele seien kaum erreichbar, entstehen Schäden, die weit über die eigentliche Bauzeit hinausreichen. Deshalb reicht es nicht, Umleitungen auszuschildern. Es muss aktiv kommuniziert werden, welche Standorte erreichbar sind und wie man dorthin kommt“, so Thomé.

Die IHK erwartet nun, dass dem begonnenen Dialog zügig konkrete Verbesserungen folgen. Aus Sicht der Wirtschaft müssen die Autobahn GmbH, das saarländische Verkehrsministerium sowie die betroffenen Kommunen die Steuerung der laufenden Maßnahmen deutlich verbessern.

Auf Basis dieser Rückmeldungen hat die IHK ein Maßnahmenpapier für ein leistungsfähigeres Baustellenmanagement im Saarland entwickelt. Im Mittelpunkt stehen eine bessere Steuerung der Baumaßnahmen, mehr Transparenz gegenüber den Betroffenen und eine schnellere Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte.

Die IHK schlägt insbesondere folgende Maßnahmen vor:

  • Beschleunigung der Baumaßnahmen auf der A 620 durch zusätzliche Bauzeitenfenster und die Prüfung alternativer Sperrkonzepte in verkehrsarmen Zeiten
  • Prüfung zusätzlicher Fahrspuren während der Hauptverkehrszeiten
  • Räumliche Anpassung des Baustellen- und Absperrbereichs zwischen Völklingen und Saarbrücken-Gersweiler zur Entschärfung der täglichen Stausituation
  • Regelmäßige Informationsveranstaltungen und eine transparente Information über den Baufortschritt
  • Einführung eines landesweiten Baustellenkoordinators zur besseren Abstimmung von Straßen- und Schienenbaumaßnahmen
  • Deutliche Verbesserung des Verkehrsleit- und Informationsmanagements durch digitale Echtzeitinformationen und frühzeitige Warnhinweise bei drohenden Staus
  • Dauerhafte Ausweisung leistungsfähiger und hindernisfreier Umleitungsstrecken
  • Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe aus Polizei, Straßenwacht und Abschleppdiensten zur zügigen Räumung von Unfällen im Baustellenbereich
  • Bessere Kommunikation der Erreichbarkeit von Gewerbestandorten, Innenstädten, Gastronomiebetrieben und touristischen Einrichtungen
  • Ausbau von Park-and-Ride-Angeboten zur Stärkung des Umstiegs auf den öffentlichen Nahverkehr
  • Beschleunigung des Neubaus der Saarbrücke in Mettlach
  • Prüfung zusätzlicher Anreize zur Verlagerung von Verkehren auf den öffentlichen Nahverkehr, beispielsweise durch kostenfreie ÖPNV-Angebote an Samstagen

„Die Geduld vieler Unternehmen ist spürbar strapaziert. Jetzt müssen die Verantwortlichen zeigen, dass sie Baustellen nicht nur verwalten, sondern wirksam steuern können. Modernes Baustellenmanagement heißt: klare Koordination, transparente Kommunikation, belastbare Umleitungen und spürbare Entlastung für Wirtschaft und Pendler. Die Probleme sind bekannt – jetzt braucht es keine weiteren Absichtserklärungen, sondern konkrete Verbesserungen. Genau das erwarten die Unternehmen zu Recht“, betont Thomé.

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