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Systemintegration statt Insellösung: Bildverarbeitung von Anfang an mitplanen

Automatische optische Inspektionssysteme übernehmen in modernen Produktionslinien zentrale Aufgaben der Qualitätssicherung. Sie erkennen fehlerhafte Produkte, prüfen Vollständigkeit und Position, kontrollieren Oberflächen oder lesen Codes und Klarschrift. Damit eine solche Prüflösung im Produktionsalltag zuverlässig funktioniert, reicht es jedoch nicht aus, am Ende der Maschinenplanung lediglich eine Kamera zu ergänzen.

Entscheidend ist die vollständige Integration der Bildverarbeitung in das Zusammenspiel aus Maschine, Produkt, Prozess und Qualitätsanforderung. OCTUM betrachtet AOI-Systeme deshalb nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als festen Bestandteil der Produktionslinie.

Wenn Bildverarbeitung zu spät berücksichtigt wird

In vielen Projekten werden die wesentlichen Komponenten und Abläufe einer Maschine zunächst ohne detaillierte Berücksichtigung der visuellen Prüfung geplant. Erst zu einem späteren Zeitpunkt entsteht die Frage, an welcher Stelle eine Kamera installiert und wie die gewünschte Qualitätskontrolle umgesetzt werden kann.

Zu diesem Zeitpunkt sind wichtige Rahmenbedingungen häufig bereits festgelegt:

  • Der verfügbare Bauraum ist begrenzt.
  • Die Produktführung und die Taktzeit stehen fest.
  • Positionen für Kameras und Beleuchtungen sind nicht vorgesehen.
  • Trigger- und Schnittstellensignale wurden noch nicht definiert.
  • Ausschleusungen oder Nachprüfungen sind nicht eingeplant.
  • Bedienkonzepte wurden ohne die Prüfstation entwickelt.
  • Datenwege und Dokumentationsanforderungen sind unklar.

Unter diesen Bedingungen lässt sich möglicherweise noch ein Kamerasystem montieren. Eine technisch saubere und dauerhaft stabile Integration ist damit jedoch nicht automatisch erreicht.

Gerade bei hohen Produktionsgeschwindigkeiten, wechselnden Varianten oder anspruchsvollen Prüfmerkmalen können nachträgliche Kompromisse die Zuverlässigkeit und Wartbarkeit des Systems erheblich beeinträchtigen.

Der richtige Kameraplatz ist nur der Anfang

Für eine zuverlässige Bildaufnahme muss das Prüfobjekt zum richtigen Zeitpunkt in einer klar definierten Position erfasst werden. Gleichzeitig müssen relevante Merkmale vollständig sichtbar sein.

Die Einbauposition beeinflusst unter anderem:

  • den Blickwinkel auf das Produkt,
  • den Arbeitsabstand der Optik,
  • das verfügbare Sichtfeld,
  • mögliche Abschattungen,
  • Reflexionen auf Oberflächen,
  • die Zugänglichkeit für Wartung und Reinigung,
  • sowie die Stabilität gegenüber Vibrationen.

Ist die mechanische Konstruktion bereits abgeschlossen, sind optimale Positionen häufig nicht mehr verfügbar. Kameras müssen dann seitlich versetzt, unter ungünstigen Winkeln oder mit unnötig großen Arbeitsabständen installiert werden.

Durch eine frühzeitige Planung lassen sich passende Einbauräume, Halterungen, Schutzgehäuse und Zugänge von Beginn an vorsehen. Dies verbessert nicht nur die Bildqualität, sondern vereinfacht auch Inbetriebnahme, Wartung und späteren Service.

Beleuchtung und Optik gezielt auf die Prüfaufgabe abstimmen

Die Kamera allein entscheidet nicht über die Qualität einer visuellen Prüfung. Mindestens ebenso wichtig sind die Optik und die Beleuchtung.

Abhängig von Produkt, Material und Fehlerbild können sehr unterschiedliche Bildaufnahmeverfahren erforderlich sein. Metallische Oberflächen erzeugen beispielsweise starke Reflexionen, transparente Bauteile benötigen häufig spezielle Durchlicht- oder Dunkelfeldkonzepte, und feine Oberflächenfehler werden erst unter einer geeigneten Beleuchtungsrichtung sichtbar.

Bei der Systemauslegung müssen daher unter anderem folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welches Merkmal soll sichtbar gemacht werden?
  • Welche Auflösung ist für die Erkennung notwendig?
  • Wie groß ist das Prüfobjekt?
  • Welche Produktvarianten müssen abgedeckt werden?
  • Welche Oberflächen- und Materialeigenschaften liegen vor?
  • Wie stark schwanken Position, Farbe oder Erscheinungsbild?
  • Wie viel Zeit steht für die Bildaufnahme zur Verfügung?

Wird die Bildverarbeitung früh berücksichtigt, können Optik und Beleuchtung passend zum Prüfprozess ausgelegt werden. Auch konstruktive Maßnahmen wie definierte Produktführungen, Abschirmungen gegen Fremdlicht oder geeignete Hintergrundflächen lassen sich dann gezielt einplanen.

Taktzeit und Trigger müssen zusammenpassen

In der Inline-Prüfung muss das Bild exakt zum richtigen Zeitpunkt aufgenommen und ausgewertet werden. Dafür benötigt das Inspektionssystem eindeutige Informationen über Produktposition, Geschwindigkeit und Maschinenzustand.

Je nach Anwendung können Lichtschranken, Encoder, SPS-Signale oder interne Kameratrigger zum Einsatz kommen. Entscheidend ist, dass die Signale zeitlich stabil und eindeutig sind.

Unklare oder schwankende Triggerbedingungen können dazu führen, dass Produkte nicht vollständig im Bild liegen, mehrfach aufgenommen oder einer falschen Produktionsposition zugeordnet werden.

Zusätzlich muss die gesamte Prozesskette innerhalb der verfügbaren Taktzeit funktionieren:

  1. Produkt erkennen und Bildaufnahme auslösen
  2. Bild oder Bildserie erfassen
  3. Prüfmerkmale auswerten
  4. Ergebnis an die Maschinensteuerung übertragen
  5. Fehlerhaftes Produkt eindeutig verfolgen
  6. Produkt an der vorgesehenen Stelle ausschleusen

Gerade zwischen Prüfposition und Ausschleusung können mehrere Maschinenzyklen liegen. Die Zuordnung des Prüfergebnisses zum richtigen Produkt muss deshalb bereits bei der Maschinenplanung berücksichtigt werden.

Klare Schnittstellen zur Maschinensteuerung

Ein AOI-System arbeitet nicht unabhängig von der Maschine. Es benötigt Signale, Informationen und definierte Reaktionen der übergeordneten Steuerung.

Zu den typischen Schnittstellen gehören:

  • Start- und Stoppsignale,
  • Trigger für die Bildaufnahme,
  • Produkt- oder Formatinformationen,
  • Statusmeldungen der Maschine,
  • Gut-/Schlecht-Ergebnisse,
  • Fehler- und Warnmeldungen,
  • Quittierungen,
  • Rezeptur- oder Programmwechsel,
  • sowie Signale für Ausschleusung und Linienfreigabe.

Dabei muss eindeutig festgelegt werden, welches System für welche Funktion verantwortlich ist. Die Bildverarbeitung bewertet beispielsweise ein Prüfmerkmal, während die SPS die Produktverfolgung und Ausschleusung übernimmt. Alternativ können Teile dieser Logik auch im Prüfsystem abgebildet werden.

Entscheidend ist nicht eine bestimmte technische Architektur, sondern eine klare und nachvollziehbare Aufgabenverteilung. Sie reduziert Abstimmungsprobleme während der Inbetriebnahme und erleichtert die spätere Fehlersuche.

Eine definierte Ausschleuslogik verhindert Qualitätsrisiken

Die Erkennung eines Fehlers ist nur der erste Schritt. Das fehlerhafte Produkt muss anschließend zuverlässig aus dem Prozess entfernt oder einer manuellen Nachprüfung zugeführt werden.

Dafür müssen unter anderem folgende Punkte geklärt sein:

  • An welcher Position wird ausgeschleust?
  • Wie wird das Produkt zwischen Prüfung und Ausschleusung verfolgt?
  • Was geschieht bei einem unklaren Prüfergebnis?
  • Wie reagiert die Linie bei einer Störung der Ausschleusung?
  • Wird die Ausschleusung überwacht und bestätigt?
  • Was passiert bei einem Kommunikationsausfall?
  • Wann muss die Maschine gestoppt werden?

Auch die Behandlung aufeinanderfolgender Fehlerprodukte oder leerer Produktplätze muss berücksichtigt werden. Eine unvollständige Ausschleuslogik kann dazu führen, dass korrekt geprüfte Produkte falsch zugeordnet oder fehlerhafte Teile nicht sicher entfernt werden.

Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Maschinenbau, Steuerungstechnik, Qualitätsmanagement und Bildverarbeitung schafft hier eindeutige Abläufe.

Bedienkonzepte müssen im Produktionsalltag funktionieren

Ein technisch leistungsfähiges Prüfsystem entfaltet seinen Nutzen nur, wenn es von den beteiligten Mitarbeitenden sicher bedient werden kann.

Je nach Rolle benötigen Bediener, Einrichter, Instandhaltung, Qualitätssicherung und Administratoren unterschiedliche Funktionen und Informationen. Ein geeignetes Bedienkonzept berücksichtigt deshalb unter anderem:

  • übersichtliche Gut-/Schlecht-Anzeigen,
  • verständliche Fehlerbilder,
  • eindeutige Systemmeldungen,
  • einfache Format- und Programmwechsel,
  • Benutzerrollen und Zugriffsrechte,
  • nachvollziehbare Parameteränderungen,
  • Unterstützung bei Fehleranalyse und Wartung,
  • sowie klare Reaktionen bei Störungen.

Die Oberfläche des Bildverarbeitungssystems sollte dabei nicht isoliert von der Maschinenbedienung betrachtet werden. Je nach Anlagenkonzept kann eine Integration in das zentrale HMI oder eine separate Bedienoberfläche sinnvoll sein.

Wichtig ist, dass die Bedienlogik mit den tatsächlichen Abläufen in der Produktion übereinstimmt. Eine frühe Abstimmung verhindert doppelte Eingaben, widersprüchliche Meldungen und unnötig komplexe Bedienwege.

Prüfdaten müssen dort ankommen, wo sie benötigt werden

In vielen Produktionsumgebungen reicht ein einfaches Gut-/Schlecht-Signal nicht aus. Prüfergebnisse müssen dokumentiert, ausgewertet oder mit weiteren Produktionsdaten verknüpft werden.

Je nach Anwendung können beispielsweise folgende Informationen relevant sein:

  • Prüfergebnis je Produkt,
  • Fehlerklasse und Fehlerposition,
  • Messwerte und Toleranzen,
  • gespeicherte Fehlerbilder,
  • Produktionsauftrag und Charge,
  • Zeitstempel,
  • verwendetes Prüfprogramm,
  • Benutzer- und Änderungsinformationen,
  • Kennzahlen zur Ausschuss- und Pseudofehlerrate,
  • sowie Informationen für Rückverfolgbarkeit und Auditierung.

Bereits während der Planung sollte festgelegt werden, welche Daten benötigt werden, wie lange sie gespeichert bleiben und an welche Systeme sie übergeben werden. Mögliche Ziele sind Maschinensteuerungen, Datenbanken, Leitsysteme, MES- oder Qualitätssicherungssysteme.

Eine klare Datenstrategie verhindert, dass wichtige Informationen nur lokal am Prüfsystem verfügbar sind oder nachträglich mit hohem Aufwand erschlossen werden müssen.

Maschine, Produkt, Prozess und Qualitätsziel gemeinsam betrachten

OCTUM beginnt die Auslegung eines Bildverarbeitungssystems nicht mit der Auswahl einer bestimmten Kamera oder Software. Ausgangspunkt ist die konkrete Prüfaufgabe im jeweiligen Produktionsumfeld.

Dazu werden vier Bereiche gemeinsam betrachtet:

Maschine

Wie wird das Produkt transportiert, positioniert und ausgeschleust? Welche Taktzeit, Schnittstellen und Platzverhältnisse stehen zur Verfügung?

Produkt

Welche Materialien, Geometrien, Oberflächen und Varianten müssen geprüft werden? Welche zulässigen Schwankungen treten auf?

Prozess

Welche Veränderungen können während der Produktion entstehen? Welche Maschinenzustände oder Umgebungsbedingungen beeinflussen die Prüfung?

Qualitätsziel

Welche Merkmale sind relevant? Welche Fehler müssen erkannt werden? Welche Toleranzen, Nachweise und Dokumentationsanforderungen gelten?

Erst aus dieser Gesamtbetrachtung entsteht ein belastbares Systemkonzept. Kamera, Optik, Beleuchtung, Software, Bedienung, Schnittstellen und Datenverarbeitung werden aufeinander abgestimmt.

Frühe Integration reduziert Risiken und Nacharbeiten

Die frühzeitige Einbindung der Bildverarbeitung bietet Vorteile über den gesamten Projektverlauf hinweg.

Sie ermöglicht:

  • geeignete Einbaupositionen ohne spätere mechanische Kompromisse,
  • bessere und stabilere Bildaufnahmebedingungen,
  • eine realistische Bewertung der erreichbaren Prüfleistung,
  • eindeutige Schnittstellen zwischen Maschine und Prüfsystem,
  • eine sichere Ausschleus- und Produktverfolgungslogik,
  • abgestimmte Bedien- und Benutzerkonzepte,
  • klar definierte Datenwege,
  • kürzere Inbetriebnahmezeiten,
  • sowie eine bessere Erweiterbarkeit bei neuen Varianten.

Damit sinkt das Risiko, dass während der Inbetriebnahme grundlegende Änderungen an Mechanik, Steuerung oder Software notwendig werden.

Gute Bildverarbeitung erkennt nicht nur Fehler

Eine leistungsfähige AOI-Lösung zeichnet sich nicht allein durch eine hohe Erkennungsleistung aus. Sie muss auch unter realen Produktionsbedingungen stabil funktionieren, für Mitarbeitende bedienbar sein und sich in die technischen und organisatorischen Abläufe des Unternehmens einfügen.

Dazu gehören zuverlässige Schnittstellen, nachvollziehbare Entscheidungen, klare Reaktionen auf Störungen und eine langfristig wartbare Systemarchitektur.

OCTUM verfolgt deshalb den Ansatz „Systemintegration statt Insellösung“. Bildverarbeitung wird als Teil der Maschine und des gesamten Qualitätsprozesses verstanden – nicht als nachträglich ergänztes Einzelmodul.

Denn eine gute Prüflösung erkennt nicht nur Fehler. Sie passt in die Produktion.

Über die OCTUM GmbH

Seit 1996 liefern wir weltweit Systemlösungen zur Kontrolle von Produkten und Fertigungsprozessen. Unsere Bildverarbeitungslösungen zur Erkennung und Inspektion von Teilen produzieren wir für unsere Zielbranchen Pharma- und Medizintechnik, Healthcare, Automotive und vielen anderen mehr.

Für die optische Qualitätskontrolle und Materialflusssteuerung in der Serienfertigung entwickeln und realisieren wir individuelle Bildverarbeitungslösungen auf der Basis von weltweit verfügbaren und bewährten Technologien. Ein kompetentes und engagiertes Team setzt dabei Ihre Anforderungen innovativ in prozesssichere Lösungen um. Ein partnerschaftliches Verhältnis und ein fairer Umgang mit Kunden und Lieferanten sind uns dabei sehr wichtig. Der Aufbau und Ausbau langfristiger Geschäftsbeziehungen steht im Vordergrund unseres Handelns.

OCTUM ist der zuverlässige Partner von dessen Know-how auch Sie profitieren können. Je nach Kundenwunsch, liefern wir nur die Bildverarbeitungslösung oder zusammen mit unseren Partnerfirmen Komplettlösungen. Mit mehr als 6.000 produktionssicheren, installierten Systemlösungen zählt OCTUM zu den erfolgreichen Anbietern der Branche.

Wir sind:
▪ nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert
▪ ams zertifiziert
▪ Cognex Systemintegrator
▪ Halcon Systemintegrator
▪ Omron Systemintegrator
▪ Mitglied im VDMA
▪ Dualer Partner der DHBW

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

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Telefon: +49 (7062) 91494-0
Telefax: +49 (7062) 91494-34
http://www.octum.de

Ansprechpartner:
Roman Klingl
Director Sales & Marketing
E-Mail: rklingl@octum.de
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