Worum in der Tarifrunde der Gebäudereinigung verhandelt wird
Der Tarifvertrag des Reinigungsgewerbes kennt neun Lohngruppen. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands liegt der Stundenlohn in der Lohngruppe eins, also für die Unterhaltsreinigung ohne Gesellenbrief, derzeit bei 15,00 Euro. Für die Lohngruppe sechs, die Gesellinnen und Gesellen der Glas- und Fassadenreinigung erfasst, nennt der Verband 18,40 Euro.
Die Forderung bezieht sich nach Angaben des Arbeitgeberverbands auf zwölf Monate Laufzeit und trifft eine Branche, deren Kalkulation fast vollständig aus Arbeitszeit besteht. Ein Prozentpunkt mehr Lohn schlägt in dieser Rechnung nahezu unverändert auf den Angebotspreis durch.
Wie Betriebe auf steigende Lohnkosten in der Fläche reagieren
Reinigungsbetriebe können auf drei Wegen gegensteuern: über den Preis, über die Leistungszeit oder über die Ausrüstung. Der Preis ist bei laufenden Rahmenverträgen selten kurzfristig verhandelbar, die Leistungszeit ist durch Qualitätsvereinbarungen gebunden. Bleibt die Ausrüstung.
Flächenleistung ist dabei die entscheidende Größe, also die gereinigte Fläche je Arbeitsstunde. Bei Außenflächen hängt sie am Wasserdruck, an der Düsenform und an der Dosierung des Reinigungsmittels. Ein Hochdruckreiniger mit integriertem Reinigungsmitteltank spart dabei die Rüstzeit für das separate Ansetzen der Lösung.
Warum die Stimmung in der Branche gedrückt ist
Der Arbeitgeberverband beschreibt die Lage als schwächste Stimmung seit Beginn seiner Umfragen. Als Grund nennt er zurückgehende Aufträge, insbesondere aus Industrie, Büro und Verwaltung. Weniger belegte Bürofläche bedeutet weniger Reinigungsintervalle, und Industriekunden verschieben Grundreinigungen bei schwacher Auslastung als Erstes.
„Eine Lohnforderung dieser Höhe trifft hier nicht auf eine Branche mit Preissetzungsmacht, sondern auf Ausschreibungen, die über den Stundensatz entschieden werden. Wer diese Rechnung ernst nimmt, redet über Ausrüstung und Verfahren, nicht nur über Tarife“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Was Auftraggeber für die kommende Saison einplanen sollten
Ein Tarifabschluss wirkt sich bei Rahmenverträgen über Preisgleitklauseln aus, bei Einzelaufträgen unmittelbar über das nächste Angebot. Für Auftraggeber im Herbst 2026 sind vier Punkte kalkulationsrelevant:
- Verhandlungsbeginn 9. September 2026, ein Abschluss ist zu diesem Termin noch offen.
- Ausgangswert Lohngruppe eins: 15,00 Euro je Stunde nach Angaben des Arbeitgeberverbands.
- Ausgangswert Lohngruppe sechs: 18,40 Euro je Stunde.
- Gewerkschaftsforderung: mehr als 13 Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit.
Bauabschlussreinigungen und Fassadenarbeiten werden überwiegend im Herbst beauftragt. Wer in dieser Saison ausschreibt, verhandelt über Stundensätze, deren Grundlage sich im laufenden Verfahren noch verschieben kann.
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