Der Arbeitssicherheitszertifizierungsdschungel

Nicht nur, dass Sie mit dem Wort bei jedem Scrabble-Spiel gute Chancen auf den Sieg haben, der Arbeitssicherheitszertifizierungsdschungel ist für viele auch unübersichtlich.  Ein vollständiger Überblick kann geradezu Bücher füllen: Ob nun BS OHSAS 18001, OHRIS, AMS BG, SCC, SCLISO 45001 und viele mehr. Alle haben „irgendetwas“ mit Arbeitsschutz zu tun, aber wo liegen die Unterschiede? Wofür brauche ich das? Was passt für mein Unternehmen?

Zunächst müssen hier ganz kurz zwei Begriffe erläutert werden:

Zertifizierung: Wir werden uns an dieser Stelle auf die Systemzertifizierung von Organisationen konzentrieren. Prinzipiell gibt es auch Produkt- und Personenzertifizierungen. Bei einer Zertifizierung wird eine Organisation gegen ein Prüfkriterium – z.B. eine Managementnorm – geprüft. Erfüllt sie alle Forderungen dieser Norm, bekommt sie ein Zertifikat.



Akkreditierung: Die International Accreditation Forum (IAF) ist mit der International Organization for Standardization (ISO) verbunden und gibt Regeln vor, wie eine Zertifizierung von ISO-Normen stattzufinden hat, um eine vollständige Prüfung, die Unabhängigkeit der Prüfer sowie internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Für die Einhaltung dieser Regeln sind wiederum nationale Stellen verantwortlich, in Deutschland die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Jede akkreditierte Zertifizierungsstelle ist verpflichtet, die IAF-Regelungen einzuhalten.

Die IAF prüft diese Umsetzung und Einhaltung regelmäßig bei der DAkkS und die DAkkS prüft sie wiederum regelmäßig bei uns, der GUTcert. Somit können sich Marktteilnehmer bei Organisationen, die akkreditierte Zertifikate halten, sicher sein, dass diese aufgrund von international vergleichbaren, unabhängigen und kompetenten Zertifizierungs-verfahren ausgestellt wurden. Dies hat z.B. auch der Europäische Gesetzgeber erkannt und Unternehmen mit akkreditiertem ISO 50001-Zertifikat von der Energieauditpflicht nach EDL-G §8 ausgenommen.

Wie sind nun die unterschiedlichen Arbeitssicherheitssysteme einzuordnen?

BS OHSAS 18001:2007: Occupational health and safety management systems ist zwar ein britischer Standard, jedoch international anerkannt. Über viele Jahre konnte dieses Managementsystem als der Standard für Arbeitssicherheit angesehen werden. Grundlage ist, wie bei anderen Normen auch, der PDCA-Zyklus. Dieser unterstützt Unternehmen bei der systematischen und kontinuierlichen Verbesserung. In Deutschland können Zertifizierungsstellen von der DAkkS für diese Norm akkreditiert werden. Da die GUTcert diese Akkreditierung erhalten hat, profitieren unsere Kunden nicht nur von einem externen Audit mit Input und Praxistipps  durch Experten, Sie können ihren Stakeholdern mit dem akkreditierten Zertifikat auch ihre Kompetenz in dem Bereich nachweisen. Die BS OHSAS 18001 ist allerdings nur noch bis zum 11.03.2021 gültig. Sie wird von der ISO 45001 abgelöst.

ISO 45001:2018: Am 12.03.2018 erschien die erste internationale Norm für „Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ (SGAMS). Die „erste internationale Norm“ heißt, dass nun auch die ISO eine Managementnorm für Arbeitssicherheit veröffentlicht hat. Sie behält über weite Teile die Forderungen der BS OHSAS 18001 bei, trägt aber den Erfahrungen und modernen Konzepten der internationalen Experten Rechnung und modernisiert somit einige Bereiche. Ein stärkerer Fokus liegt im Vergleich zur OHSAS 18001 unter anderem bei der Konsultation der Beschäftigten, der Stakeholderanalyse, der Kontraktorenbewertung und der Rechtssicherheit.
Intern kann ein SGAMS nun noch besser mit anderen ISO-Managementsystemen integriert werden. Ansonsten bestehen bei einer akkreditierten Zertifizierung die gleichen Vorteile wie bei OHSAS 18001 – nur moderner und zukunftssicher.

OHRIS: “Occupational Health- and Risk-Managementsystem”. Ein System, das sich am Leitfaden der Internationalen Arbeitnehmerorganisation (ILO), dem deutschen Nationalen Leitfaden und Vorgaben des Bundesministeriums für Arbeit (BMA) sowie am Aufbau von ISO-Normen orientiert. Es wird in Bayern und Sachsen zertifiziert, hat knapp 600 zertifizierte Unternehmen und ist außerhalb dieser Regionen entsprechend wenig bekannt. Das System unterliegt keiner Akkreditierung.

AMS BG: Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) der Berufsgenossenschaften (BG). BGs haben eigene AMS für ihre Mitgliedsbetriebe entwickelt und begutachten diese auf Wunsch. Teilweise werden auch Begutachtungen auf Grundlage der international anerkannten Normen BS OHSAS 18001:2007 oder ISO 45001:2018 durchgeführt. BGs beraten Unternehmen spezifisch zu AMS und sind damit entsprechend der IAF-Regelungen nicht als unabhängig anzusehen. Außerdem unterliegen sie für diese Normen keiner DAkkS-Aufsicht. Hier ist also keine Akkreditierung möglich, weswegen manche BGs in dem Zusammenhang auf die Wörter „Zertifizierung“ und „Zertifikat“ verzichten. Während hier trotzdem ein wichtiger Beitrag für den Arbeitsschutz in Unternehmen geleistet wird, sind die Begutachtungen international nicht anerkannt, da hier die Unabhängigkeit und Vergleichbarkeit von akkreditierten Zertifikaten fehlt.

SCC: Sicherheits Certifikat Contraktoren ist ein nicht öffentlich-rechtliches Regelwerk, das von einer Gruppe sicherheitsempfindlicher Unternehmen, vornehmlich der erdölverarbeitenden und der chemischen Industrie in den Niederlanden entwickelt wurde (dort VCA) und besonders der internen Bewertung des AMS bei Zulieferern aus der Petrochemie dient. Besonders in dieser Branche ist eine SCC-Zertifizierung oft eine Bedingung bei Ausschreibungen. Grundsätzlich soll SCC sicherstellen, dass die Systeme von Auftraggebern und Auftragnehmern so kompatibel wie möglich sind.  SCC unterliegt auch einer DAkkS-Akkreditierung, wird von der GUTcert jedoch nicht angeboten. Die Zertifizierung bezieht sich sehr stark auf die praktische Umsetzung von Maßnahmen. Das System ist vor allem in Deutschland, den Niederlanden und Österreich relevant.

SCL: Safety Culture Ladder ist eine Prüfung, die den Ist-Zustand der Arbeitssicherheitskultur innerhalb eines Unternehmens misst. Der Fokus der Safety Ladder liegt darauf, welche Einstellungen und Verhaltensweisen Mitarbeiter tatsächlich zeigen und auf "WARUM" Mitarbeiter dieses Verhalten zeigen. Übertragungsnetzbetreiber wie TenneT erwarten zunehmend von ihren Zulieferern eine Zertifizierung nach SCL. Hinsichtlich seines Schwerpunktes lässt SCL sich sehr gut mit einer ISO 45001 kombinieren- so folgt man nicht nur dem systemischen Ansatz, sondern geht darüber hinaus intensiv in die Unternehmenskultur hinein. Programmeigner des Zertifizierungsschemas SCL ist das Niederländische Normungsinstitut (NEN).
SCL-Zertifizierungsstellen müssen eine Akkreditierung gemäß ISO 45001 oder SCC unterhalten und zwecks Autorisierung einen Kooperationsvertrag NEN schließen. Auch diese Zertifizierung bietet die GUTcert an.

Wofür brauche ich das?

Grundsätzlich dient jedes System auf seine Weise der Verbesserung des Arbeitsschutzes in Ihrem Unternehmen. So werden Risiken, Personal- und Produktionsausfälle verhindert oder verringert und das Vertrauen Ihrer Vertragspartner erhöht. Die ISO 45001 ist so aufgebaut, dass Sie bei guter Umsetzung das ganzheitlichste System haben, das zusätzlich auf kontinuierliche Verbesserung und Rechtssicherheit ausgelegt ist.

ISO 45001, SCC und SCL sind bereits bei Ausschreibungen entscheidend und  werden vermutlich in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen – denn Unternehmen, die schon eine ISO 45001 eingeführt haben, bewerten ihre Zulieferer und Vertragspartner auch anhand von Arbeitssicherheitsaspekten.

Was passt für mein Unternehmen?

Sie müssen entsprechend Ihrer eigenen Ansprüche an sich selbst, aber auch aufgrund der Anforderungen Ihrer Vertragspartner abschätzen, welches System bzw. welche Zertifizierung für Sie am sinnvollsten ist.

Wenn Sie nur ein System für sich selbst aufbauen möchten, kann ein AMS BG ausreichend sein. Dies ist oft auch eine kostengünstige Variante, die Ihnen Vorteile bei Ihren Versicherungsbeiträgen bringen kann. Wenden Sie sich hierfür einfach an Ihre jeweilige BG.

Wenn Sie jedoch international auftreten und nachweislich eine unabhängige Prüfung anhand von weltweit vergleichbarer Regeln wünschen, ist eine akkreditierte Zertifizierung (z.B. durch die GUTcert) notwendig. Dies hat auch den Vorteil, dass Sie mit einem solchen Zertifikat zukunftssicher aufgestellt sind, und bei integrierten Managementsystemen (IMS) der Zertifizierungsaufwand gering gehalten werden kann.

SCC fordert im Vergleich zu ISO 45001 und SCL wesentlich mehr Dokumente und bietet Unternehmen die wenigste Freiheit bei der Wahl der organisatorischen Ressourcen. Beispielsweise fordert SCC 14 dokumentierte Verfahren. SCC-Audits sind stark dokumentationsorientiert. Ein Mehrwert über optimierte Dokumente hinaus lässt sich nachweislich kaum realisieren. Aus diesem Grund werden SCC-Zertifizierungen generell nur aufgrund von Auftraggeberforderungen unterhalten.

Natürlich gibt es Unternehmen, die sich auch nur nach ISO 45001 oder SCL zertifizieren lassen, weil ihre Auftraggeber sie dazu „zwingen“. Unsere Empfehlung ist aber, auch diese Zertifizierungen als Chance zu begreifen. Die GUTcert hat die Philosophie, Audits mit Mehrwert durchzuführen. Unsere Auditoren sind Branchenexperten, die Ihnen durch praxisnahe Empfehlungen helfen werden, Ihre Systeme und Prozesse zu verbessern.

Eine Zertifizierung nach SCL ist eher eine „Ist“-Analyse, die den aktuellen Stand Ihrer Firma misst. Wenn Sie also der Meinung sind, dass Arbeitsschutz in der Praxis bzw. in den Köpfen Ihrer Mitarbeiter stark gelebt wird, Sie aber die „Bürokratie“ eines richtigen Managementsystems nach ISO 45001 scheuen, können Sie sich auch für diese Zertifizierung entscheiden, um den Stand Ihrer Firma zu ermitteln und Verbesserungen zu veranlassen und umzusetzen.  

Wie kann die GUTcert Sie unterstützen?

Da besonders SCL in Deutschland noch relativ neu und unbekannt ist, bieten wir dazu am 24.09.2019 einen Infoabend in Berlin an. Wir würden uns freuen, Sie dort begrüßen zu können.

Auch bei der ISO 45001 möchten wir Sie unterstützen und bieten deswegen Seminare zum Arbeitsschutzmanagementbeauftragter/-auditor nach ISO 45001 an.

Für Fragen zu den Angeboten unserer Akademie – auch zu Inhouse-Schulungen -, erreichen Sie sie unter akademie@gut-cert.de; Tel: +49 30 2332021-21

Für allgemeine Fragen zur Zertifizierung nach ISO 45001 stehen Ihnen Frau Sindy Prommnitz, Tel.: +49 30 2332021-45 oder Herr Seán Oppermann, Tel.: +49 30 2332021-87 zur Verfügung.

Für allgemeine Fragen zur Zertifizierung von SCL stehen Ihnen Herr Martin Ponick, Tel.: +49 30 2332021-45 oder Herr Seán Oppermann, Tel.: +49 30 2332021-87 zur Verfügung.

Über die GUTcert GmbH

Die Zertifizierung von Integrierten Managementsystemen mit den Schwerpunkten Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Arbeitssicherheit sowie Energiemanagement ist das Hauptgeschäft der GUTcert. Weitere Kernkompetenzen der GUTcert sind die Verifizierung von Treibhausgasemissionen nach anerkannten Standards sowie die Zertifizierung der Nachhaltigkeitsanforderungen für Biomasse.

Als Mitglied der AFNOR Gruppe bietet die GUTcert ihre Zertifizierungsdienstleistungen im internationalen Netzwerk an, welches weltweit 28 Niederlassungen umfasst und mit 1.500 Auditoren und 20.000 Experten Kunden in über 90 Ländern betreut.

Die GUTcert Akademie bündelt das Fachwissen von Auditoren und anderen Experten, um Teilnehmern direkt anwendbare Kompetenzen mit nachhaltigem Mehrwert zu vermitteln.

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