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Blick zu Spiegel

Ich habe gestern Abend das Pressestatement von Bundesministerin Spiegel zu ihrem Urlaub während der Flutkatastrophe gesehen. Ich war zutiefst verstört, mir kamen sogar die Tränen. Im Gegensatz zu vielen Menschen in Social Media fiel es mir schwer, überhaupt eine Meinung zu diesem Auftritt und dem damaligen Geschehen zu haben. In mir sagte irgendeine Stimme „tragisch“ und gleichzeitig auch „bockig“.

Heute früh hat sich einiges in mir sortiert. Ich stelle mir die Frage, ob Frau Spiegel – welch ein „Zufall“ im Namen – nicht auch ein Spiegel für uns und unsere Gesellschaft insgesamt ist: Wir wollen so viel, wir wollen Gutes bewegen, für diesen Planeten, für die Menschen, die wir lieben, für unser gesellschaftliches Miteinander. Oft kommt dabei die eigene Person zu kurz, und wir verausgaben uns bis zu einem Punkt, an dem alles rund um uns herum festgefahren scheint.

Bei Frau Spiegel lässt sich aufgrund Ihrer Parteizugehörigkeit vermuten, dass sie für eine gesundende Umwelt eintritt, eine Welt, in der auch ihre Kinder ein erträgliches Leben führen können. Dafür setzt sie sich beruflich aktiv und engagiert ein. Gleichzeitig liegt ihr Familie am Herzen, vier Kinder sind ein Anzeichen dafür. Alleine dieser Spagat ist schon herausfordernd.

Ich bewundere einerseits, wie junge Frauen heute Kinder und berufliches Engagement zusammenbringen, andererseits denke ich, dass es wohl auch etwas viel ist, all das gleichzeitig zu wollen und dass es manchmal gut wäre, etwas weniger zu wollen und damit auch zu verzichten.  Gott sei Dank gibt es heute mehr Männer als in meiner Jugend, die bereit sind, familiäre Last zumindest gleichberechtigt zu tragen, vielleicht sogar einen Mehranteil zu übernehmen. Die Außenministerin zeigt, wie das gehen kann.

Nun trifft die Familie von Frau Spiegel 2019 ein Schicksalsschlag, ihr Mann erleidet einen Schlaganfall. Die Mehrbelastung steckt sie scheinbar weg, arbeitet weiter und übernimmt noch mehr Verantwortung in der Familie und auch im Amt. Und sicher ist sie auch überzeugt, dass sie ihren Job gut macht, Karriere macht ihr Spaß und auch die damit verbundene Macht ist reizvoll.

Denn wer kennt sie nicht diese Momente, in denen wir den Eindruck haben, anderen unsere Ideen zu vermitteln, ja oft überzuhelfen und in denen uns das einfach eine riesengroße Befriedigung gibt. Ich z.B. habe solche Momente in Vortragsdynamiken erlebt. Es ist einfach toll und fühlt sich super an, wenn andere Menschen zuhören und begeistert sind – und es mussten immer mehr Menschen werden; der mentale Absturz am Tag danach gehörte dazu. Ich habe einen hilfreichen Körper, der mich irgendwann aus dieser Dynamik herausgeholt hat, er hat einfach nicht mehr mitgespielt. Ich musste mich auf mich selbst und meine Kräfte besinnen, habe aus Frust Taiji angefangen und so Neues gelernt – über mich und das Leben.

Traditionelle und spirituelle Meister und auch Heilberufe kennen und vertreten die Annahme, dass wir nur dann für andere da sein können, wenn wir zunächst angemessen für uns selbst sorgen. Tun wir das nicht, werden wir auf unsanfte Art und Weise darauf hingewiesen. Manchmal streikt der Körper so wie bei mir in Form des Patellarsehnenabrisses, manchmal zeigen uns äußere Ereignisse, dass es so nicht mehr weitergeht. Die erste Reaktion ist oft ein „ich mache weiter, ich lass mich doch nicht anhalten“ – ein bisschen bockig war es damals auch bei mir, ich bin noch mit Gips und Krücken in den Flieger gestiegen und habe weiter gemacht. Und es hat einige Monate gedauert, bis ich die Message verstanden und mich zurückgenommen habe.

Ich glaube, Frau Spiegel ist in dieser Phase, ich glaube, es tut furchtbar weh, einen solchen Fehler zu machen, und wir stellen uns die Frage, wieviel Schuld wir an den Ereignissen und Konsequenzen auf Menschenleben haben. Das macht es umso schwerer, sich einzugestehen, dass Zuviel einfach Zuviel ist und dass wir uns durch dieses Zuviel eben nicht so verantwortungsvoll benommen haben, wie wir von uns erwarten. Wir schieben solche schwerwiegenden Fehler deshalb gerne und erst einmal eben auch ein bisschen bockig von uns weg.

All die, die Frau Spiegel in dieser Situation beschimpfen, ihr unverantwortliches Handeln unterstellen, möchte ich an das Gleichnis vom Balken und dem Splitter aus dem neuen Testament erinnern. Und daran, dass Fehlerkultur nicht zwangsläufig heißt, sofort die notwendigen Learnings anzugehen, sondern eben zunächst oft ein schmerzlicher Prozess der Erkenntnis über unsere eigenen Grenzen ist. Manchmal haben wir das Glück, dass dieser Prozess relativ unbeobachtet passiert, und manchmal stehen wir damit im Licht der Öffentlichkeit. Dann daraus zu lernen ist noch schwerer, und ich hoffe, dass Frau Spiegel das hinkriegt.

Den ersten Schritt, den Fehler und ihre damit verbundene Überbelastung einzugestehen, hat sie gestern mit großen Schwierigkeiten gemeistert. Drücken wir ihr die Daumen, dass sie auch die weiteren Schritte geht und geben wir ihr eine faire Chance, indem wir sie nicht in eine Ecke drängen, in der ein Lernen nicht mehr möglich scheint. Für uns selbst wünschen wir uns auch eine solche Chance, denn wir alle haben eigene Balken und die anzugehen hindert uns so manches Mal Fingerpointing auf andere.

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