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EMI: Industrieproduktion profitiert im März vom nachlassenden Druck in den Lieferketten

Die deutsche Industrieproduktion ist im März zum zweiten Mal in Folge leicht angestiegen. Zuvor war sie acht Monate geschrumpft, teilt der US-amerikanische Finanzdienstleister S&P Global mit. Auf Sektorebene zeigten sich allerdings gegensätzliche Trends: Während die Fertigung im Investitionsgüterbereich vor allem aufgrund besserer Materialverfügbarkeit ausgeweitet wurde, ging sie bei den Herstellern von Vorleistungsgütern und Konsumgütern (in geringerem Maße) wegen schleppender Nachfrage zurück. Die erneut gesunkenen Auftragseingänge führten angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen, hoher Inflation sowie verschärfter Kreditkonditionen dazu, dass der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) den zweiten Monat in Folge gefallen ist; er notierte im März mit 44,7 Punkten nicht nur unter den 46,3 vom Vormonat, sondern auch auf dem tiefsten Stand seit Mai 2020.

„Können unsere Unternehmen schon bald darauf hoffen, dass sich ihre Auftragsbücher kräftig füllen und die Auslandsnachfrage steigt? Denn nur dann könnte der EMI nach mittlerweile neunmonatiger Talfahrt erstmals wieder über die magische 50-Punkte-Wachstumsschwelle springen“, betont BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah. Erfreulich sei, dass die Inflation im Verarbeitenden Gewerbe sich weiter abzuschwächen scheine. So seien die Einkaufspreise nicht nur den zweiten Monat hintereinander gesunken, sondern auch so kräftig wie seit Mai 2020 nicht mehr.

„Wendepunkte zeichnen sich dadurch aus, dass man sie erst sieht, wenn sich längst ein neuer Trend entwickelt hat. So zeigt der jüngste EMI, dass Lieferkettenprobleme ein Thema der Vergangenheit und die Rahmenbedingungen diesbezüglich besser als jemals zuvor sind“, kommentiert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Hingegen reagierten die Preise erst langsam und dementsprechend sei die Nachfrage noch schwach. „Dies wird sich aber in den nächsten Monaten auch umdrehen, so dass der EMI und die Industriekonjunktur genau jetzt an ihrem Tiefpunkt sind. Die Zukunft schaut rosiger aus. Von jetzt an geht es aufwärts“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement für den BME hinzu.

„Das erste Quartal läuft deutlich besser als vor dem Winter erwartet worden war. Die Wirtschaft zeit sich stabil gegenüber der Energieproblematik und kann vielleicht sogar ein Miniplus des Bruttoinlandsprodukts in diesem Zeitraum möglich machen. Die Auswirkungen des Bankenstresses werden sich erst im Laufe des Jahres leicht dämpfend auf die Konjunktur bemerkbar machen“, sagt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem BME.

„Das Auflösen von Materialengpässen, aber auch eine schwächere Nachfrage sorgen für eine Entspannung der Lieferketten. Das kurbelt die Industrieproduktion langsam wieder an. Besonders Hersteller von Investitionsgütern, die noch über hohe Auftragsbestände verfügen, können ihre Bestellungen leichter abarbeiten. Sorge bereitet zunehmend die Nachfrageseite. Die Bestellungen aus dem Inland schwächeln und auch die Auslandsnachfrage ist aufgrund einer gebremsten Weltkonjunktur unsicher“, teilt DIHK-Konjunkturexperte Dr. Jupp Zenzen dem BME mit.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gibt Dennis Rheinsberg, Direktor – Energy & Industrials der IKB Deutsche Industriebank AG, dem BME folgende Einschätzung: „Im März wirkten die überwiegend rückläufigen bis seitwärts tendierenden Energie- und Rohstoffpreise weiterhin entlastend auf die Einkaufspreise. Mit der durch die OPEC+ überraschend verkündeten Förderkürzung drohen allerdings in den kommenden Monaten Belastungen vom Ölmarkt. Auch der Rückgang der Gaspreise scheint im März sein Ende gefunden zu haben.“

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Produktion: Die höhere Verfügbarkeit von Rohmaterialien und Komponenten führte im März zum zweiten Anstieg der Produktionsrate hintereinander. Während einige Firmen aufgrund sinkender Nachfrage ihre Fertigung drosselten, fuhren andere ihre Produktion hoch, da sich die Versorgung mit Rohstoffen verbessert hat, was wiederum das Abarbeiten unerledigter Aufträge ermöglichte.

Auftragseingang: Zum wiederholten Mal sank die Anzahl der Neuaufträge in der Industrie. Die Schrumpfungsrate war sogar etwas kräftiger als im Vormonat, als ein 9-Monatshoch erreicht worden war. Sie fiel jedoch deutlich schwächer aus als die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gemessenen Werte. Die hohen Lagerbestände der Kunden, steigende Preise und Zinsen sowie die allgemeine Unsicherheit an den Märkten waren nur einige der Faktoren, die die Auftragseingänge schmälerten, wie zahlreiche EMI-Umfrageteilnehmer berichteten.

Auftragseingang Export: Das Minus im Exportneugeschäft hat sich im Berichtsmonat wieder etwas verringert. So verbesserte sich der saisonbereinigte Teilindex gegenüber Februar und kletterte auf den höchsten Stand seit neun Monaten, blieb damit aber nach wie vor deutlich unter der 50-Punkte-Referenzlinie, ab der Wachstum signalisiert wird.

Geschäftsaussichten: Deutschlands Hersteller zeigten sich im März verhalten zuversichtlich bei der Einschätzung ihrer Produktionsraten binnen Jahresfrist. Nachdem sich die Erwartungen in den vergangenen vier Monaten stets verbessert hatten und vom annähernden Rekordtief im Oktober 2022 auf ein 12-Monatshoch im Februar gestiegen waren, trübte sich die Zuversicht nun etwas ein. Nach wie vor sorgen in erster Linie die hohe Inflation, die exorbitanten Energiekosten, die steigenden Zinsen sowie die geopolitischen Spannungen für kräftigen Gegenwind in Bezug auf die zukünftige Nachfrage.

Beschäftigung: Nach dem kleinen Anstieg im Februar setzte sich der Abwärtstrend beim Jobaufbau fort. So wurde im März der geringste Zuwachs bei der Beschäftigung in der seit März 2021 andauernden Wachstumsphase registriert. Unternehmen, die ein Plus meldeten – hauptsächlich im Investitionsgüterbereich – begründeten dies oft mit Bemühungen zum Kapazitätsaufbau sowie den immer noch hohen Rückständen in der Produktion.

Einkaufspreise: Der im Vormonat begonnene Rückgang der Einkaufspreise nahm im März an Fahrt auf. So rutschte der dazugehörige Teilindex noch tiefer unter die 50-Punkte-Schwelle und notierte auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2020. Laut Befragten geht die jüngste Entwicklung vor allem auf die sinkenden Rohstoff- und Transportkosten zurück, was viele wiederum der rückläufigen Nachfrage zuschrieben. Auch die Energiepreise gaben weiter nach, da sich die befürchteten Versorgungsängste nicht bewahrheiteten.

Verkaufspreise: Zwar zogen die Verkaufspreise im Berichtsmonat erneut an, aber die Inflationsrate hat sich erheblich abgeschwächt. Der saisonbereinigte Teilindex gab im Vormonatsvergleich so deutlich nach wie nie zuvor in der Umfragegeschichte und sackte auf den tiefsten Wert seit Januar 2021 ab. Der stärkste negative Impuls ging dabei vom Vorleistungsgüterbereich aus, wo vielen Befragten zufolge der Wettbewerbsdruck merklich zugenommen hat und die niedrigeren Kosten häufig an die Kunden weitergegeben wurden. Unternehmen, die eine Anhebung meldeten, begründeten dies meist mit der Sicherung ihrer Gewinnmargen sowie dem Weiterreichen von Lohnsteigerungen.

Über den EMI: Der S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Er ist eine Momentaufnahme der Geschäftssituation im Verarbeitenden Gewerbe und ein gewichteter Durchschnitt der Messwerte für Neuaufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormateriallager. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird von S&P Global, einem börsennotierten US-amerikanischen Finanzdienstleistungskonzern, erstellt und beruht auf der Befragung von rund 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der Verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (S&P Global US Manufacturing PMI).

Über den BME:

Der 1954 gegründete Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) ist ein führender Fachverband und Netzwerkpartner für Einkaufs-, Supply-Chain- und Logistikverantwortliche in Deutschland und Europa. Er zählt in 38 Verbandsregionen rund 10.000 Mitglieder – vom Einzelunternehmen über den Mittelstand bis zum Konzern – aus allen Branchen und Sektoren. Das Volumen der von den Verbandsmitgliedern beschafften Waren und Dienstleistungen beträgt jährlich rund 1,25 Billionen Euro. Das entspricht knapp einem Drittel des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Die Verbandsziele des BME sind der Know-how-Transfer durch Erfahrungsaustausch, die Aus- und Weiterbildung von qualifizierten Fach- und Führungskräften sowie die Förderung neuer Erkenntnisse, Verfahren und Techniken an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis.

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