Der erste Punkt ist eine Begriffsfrage mit Folgen. DIN 1319 beschreibt Kalibrierung als Messprozess, der die Abweichung der Anzeigewerte eines Messgeräts feststellt und dokumentiert – ohne das Gerät dabei zu verändern. Wird das Gerät verändert, heißt der Vorgang Justierung, und die vorherige Kalibrierung ist damit ungültig. Was Apps als Kalibrieren anbieten, ist der Sache nach ein Justieren an einer Manschettenmessung. Was beim Kalibrieren eines Blutdruck-Wearables tatsächlich geschieht, beschreibt BPER im Ratgeber.
Daraus folgt der zweite Punkt: Ein so eingestelltes Gerät bestimmt keinen absoluten Blutdruck. Das ESC-Papier hält fest, dass kalibrierungsabhängige manschettenlose Geräte Veränderungen gegenüber der zuletzt eingegebenen Manschettenmessung nachzeichnen. Die angezeigte Zahl ist damit immer ein Wert relativ zu einem Bezugspunkt, der von außen kam.
Der dritte Punkt betrifft diesen Bezugspunkt. Nach dem ESC-Papier kann er auf drei Wegen verfälscht sein: durch eine falsch angelegte Kalibriermanschette, durch Arm- und Körperhaltung während der Referenzmessung und durch die Messunsicherheit des Referenzgeräts. Für Manschettengeräte gilt die DIN EN ISO 81060-2; sie lässt eine mittlere Abweichung von 5 mmHg bei einer Standardabweichung von 8 mmHg zu. Ein Gerät kann diese Prüfung bestehen und trotzdem einen Bezugspunkt liefern, der einige mmHg danebenliegt – und diese Abweichung wandert in jede spätere Anzeige mit. Verschiedene oszillometrische Geräte liefern zudem unterschiedliche Kalibrierwerte: Welches Gerät die Referenz stellt, verändert das Ergebnis. Welche Abweichung ein geprüftes Manschettengerät haben darf, ordnet BPER im Ratgeber ein.
Der vierte Punkt ist der zeitliche. Wie oft nachkalibriert werden muss, ist offen; unabhängige Studien zu Häufigkeit und Bedingungen der Kalibrierung fehlen laut ESC-Papier bislang. Die Spanne reicht von wenigen Wochen im ambulanten Alltag bis zu wenigen Stunden in Anästhesie und Operation. Dass der Bezug sich verschiebt, hat mehrere Ursachen: Alter, Arteriosklerose und Training verändern langfristig den Zusammenhang zwischen Signal und Druck; Temperatur, Flüssigkeitshaushalt, Stress und Körperhaltung wirken kurzfristig, ebenso Sitz des Sensors und Updates des Algorithmus.
Das Statement zieht daraus einen deutlichen Schluss: Manschettenlose Geräte seien wissenschaftlich noch nicht ausreichend validiert und für klinische Entscheidungen nicht zu empfehlen.
„Technik am Handgelenk kann ein Warnsignal geben. Die Einordnung bleibt Aufgabe der Messung und der Ärztin oder des Arztes", sagt P. Lu, Geschäftsführer von BPER.
Eine Manschettenmessung braucht diesen Umweg nicht: Sie erzeugt den Druck, gegen den sie misst, und braucht keinen vorher eingegebenen Bezugswert. BPER zeichnet den Blutdruck manschettenbasiert über 60 Sekunden kontinuierlich auf und erfasst dabei bis zu 14.400 Datenpunkte je Messung: systolische und diastolische Werte in mmHg sowie Auffälligkeiten des Herzrhythmus. Das Gerät ist ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa, das Messverfahren wurde in Deutschland entwickelt. Damit die Zahl trägt, muss allerdings die Messung selbst stimmen: fünf Minuten Ruhe davor, Manschette auf Herzhöhe, Arm aufgelegt, nicht sprechen. Wie eine Messung zu Hause richtig zustande kommt, steht im Ratgeber.
Zur Verfügbarkeit: Der BPER Blutdruck-Ereignisrekorder ist über bper.health erhältlich, die App für iOS und Android ist kostenfrei, ebenso der Versand innerhalb Deutschlands; es gilt ein Rückgaberecht von 30 Tagen. Messwerte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Als Grenze für die häusliche Selbstmessung gelten 135/85 mmHg; bei stark erhöhten Werten zusammen mit Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot oder Sehstörungen ist der Notruf 112 zu wählen. Bestehende Medikation sollte nie eigenmächtig auf Grundlage von Heimmessungen verändert werden.
Die Brandsstock GmbH mit Sitz in Hamburg entwickelt und vertreibt unter der Marke BPER Medizintechnik für die häusliche Blutdruckbeobachtung. Kernprodukt ist der BPER Blutdruck-Ereignisrekorder, ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa, das den Blutdruck manschettenbasiert über 60 Sekunden kontinuierlich aufzeichnet und neben den Druckwerten auch Herzrhythmus-Auffälligkeiten erfasst. Das Messverfahren wurde in Deutschland entwickelt. Ergänzend betreibt BPER unter bper.health einen redaktionellen Ratgeber zu Blutdruck, Messmethodik und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
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