Was können Familienunternehmen aus Schlecker lernen?
Nur wenige deutsche Unternehmensgeschichten sind so bekannt wie die von Schlecker. Aus einem 1975 gegründeten Unternehmen entwickelte sich eine der größten Drogerieketten Europas. Im Januar 2012 folgte der Insolvenzantrag, anschließend wurden die deutschen Filialen geschlossen und fast 25.000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz.
Der dramatische Ausgang darf jedoch nicht den Blick auf die enorme unternehmerische Leistung der Jahrzehnte davor verstellen. Anton Schlecker hatte ein klares Geschäftsmodell geschaffen, konsequent expandiert und eine Präsenz aufgebaut, die bis in kleine Städte und ländliche Regionen reichte. Gerade deshalb ist die Geschichte für heutige Familienunternehmen so aufschlussreich: Sie zeigt, dass Größe, Marktführerschaft und frühere Erfolge keine dauerhafte Sicherheit bieten.
In der Podcastfolge „Das Familienunternehmen Schlecker – was können wir daraus lernen?“ sprechen Dr. Ronald Hepper und Sophie Hepper über diese Entwicklung. Dabei geht es ausdrücklich nicht um nachträgliche Besserwisserei oder darum, die Unternehmerfamilie zu verurteilen. Der Fall dient vielmehr als Ausgangspunkt für die Frage, welche Warnsignale auch in anderen Familienunternehmen entstehen können und weshalb sie im erfolgreichen Tagesgeschäft so leicht übersehen werden.
Wenn frühere Erfolgsfaktoren zu Engpässen werden
In der Aufbauphase eines Unternehmens ist eine starke zentrale Führung häufig ein erheblicher Vorteil. Der Unternehmer kennt Kunden, Mitarbeitende, Produkte und Zahlen. Er kann schnell entscheiden, Kosten kontrollieren und Chancen nutzen, ohne sich mit langwierigen Abstimmungen beschäftigen zu müssen. Gerade in kleinen und wachsenden Unternehmen schafft diese persönliche Steuerung Geschwindigkeit und Klarheit.
Mit zunehmender Größe verändert sich jedoch die Aufgabe. Mehr Standorte, mehr Mitarbeitende, neue Märkte und steigender Wettbewerbsdruck erzeugen eine Komplexität, die nicht dauerhaft von einer einzigen Person beherrscht werden kann. Führung, Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit müssen deshalb mit dem Unternehmen wachsen. Geschieht das nicht, kann genau die Zentralisierung, die früher für Tempo sorgte, später notwendige Veränderungen verlangsamen.
Darin liegt eine zentrale Erkenntnis der Podcastfolge: Ein Erfolgsmodell bleibt nicht automatisch erfolgreich, nur weil es sich über viele Jahre bewährt hat. Unternehmen müssen ihre Strukturen immer wieder an ihre tatsächliche Größe, ihr Marktumfeld und ihre zukünftigen Herausforderungen anpassen. Was in einer früheren Entwicklungsphase richtig war, kann unter neuen Bedingungen zum Risiko werden.
Die vollständige Folge bei „Mission: Family Business“
Wie können Familienunternehmen erkennen, ob ihre bewährten Strukturen noch zur Zukunft passen? Und welche Warnsignale sollten sie ernst nehmen, bevor wirtschaftlicher Druck den Handlungsspielraum einschränkt?
In der neuen Folge von „Mission: Family Business“ ordnen Dr. Ronald Hepper und Sophie Hepper die Geschichte von Schlecker aus der Perspektive zweier Unternehmergenerationen ein.
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Wachstum ist nicht dasselbe wie Weiterentwicklung
Steigende Umsätze, neue Standorte und eine wachsende Zahl von Mitarbeitenden vermitteln zunächst Sicherheit. Solange das Unternehmen expandiert und gute Ergebnisse erzielt, erscheint der Veränderungsdruck gering. Doch Wachstum kann lange verdecken, dass Organisation, Führung und Entscheidungsstrukturen nicht im gleichen Tempo mitgewachsen sind.
Ein Unternehmen kann größer werden und trotzdem von wenigen Personen abhängig bleiben. Entscheidungen konzentrieren sich weiterhin an der Spitze, Führungskräfte führen vor allem Vorgaben aus und strategische Fragen werden vom Tagesgeschäft verdrängt. Nach außen wirkt der Betrieb erfolgreich, während im Inneren die Fähigkeit abnimmt, schnell und wirksam auf Veränderungen zu reagieren.
Die Geschichte von Schlecker darf dabei nicht auf eine einzelne Ursache reduziert werden. Sie macht jedoch sichtbar, wie schwer es werden kann, ein sehr großes Unternehmen neu auszurichten, wenn bewährte Strukturen über Jahrzehnte prägend geblieben sind. Neue Wettbewerber, veränderte Kundenerwartungen und andere Filialkonzepte erhöhen dann den Handlungsdruck zu einem Zeitpunkt, an dem tiefgreifende Veränderungen bereits besonders anspruchsvoll sind.
Wachstum beschreibt, dass ein Unternehmen größer wird. Weiterentwicklung bedeutet, dass es zugleich anpassungsfähiger, führungsstärker und strategisch leistungsfähiger wird. Das eine folgt nicht automatisch aus dem anderen.
Warum erfolgreiche Familienunternehmen Warnsignale leicht übersehen
Viele Warnsignale wirken zunächst nicht bedrohlich. Der Inhaber muss noch immer zahlreiche Entscheidungen persönlich treffen, aber das Unternehmen funktioniert. Führungskräfte könnten mehr Verantwortung übernehmen, doch die bisherige Abstimmung erscheint sicherer. Veränderungen am Geschäftsmodell wären denkbar, aber die vorhandenen Kunden und Produkte sorgen weiterhin für ausreichende Umsätze.
Gerade langjähriger Erfolg kann dazu führen, dass solche Entwicklungen immer wieder vertagt werden. Sätze wie „Das hat bisher immer funktioniert“ oder „Wenn es wirklich notwendig wird, können wir noch reagieren“ beruhen häufig auf echter Erfahrung. Problematisch werden sie erst dann, wenn Erfahrung nicht mehr hilft, Veränderungen einzuordnen, sondern zum Grund wird, notwendige Entscheidungen aufzuschieben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob ein Unternehmen heute erfolgreich ist. Unternehmerfamilien sollten ebenso prüfen, ob ihre Führungsstruktur noch zur Unternehmensgröße passt, ob Verantwortung auf mehrere tragfähige Schultern verteilt ist und ob ausreichend Zeit für Strategie und Zukunftsentwicklung bleibt.
In der Podcastfolge bringen Ronald und Sophie Hepper diese Überlegung auf eine besonders relevante Frage: Welche Warnsignale übersehen wir möglicherweise gerade im eigenen Familienunternehmen? Denn häufig sind erste Hinweise längst vorhanden. Sie verlieren nur im täglichen Betrieb gegen Kundenanfragen, Personalthemen und operative Dringlichkeiten.
Die Nachfolge stellt das bisherige Erfolgsmodell auf die Probe
Besonders deutlich werden solche Abhängigkeiten beim Generationswechsel. Die nächste Generation übernimmt kein neutrales Unternehmen. Sie übernimmt ein Geschäftsmodell, eine Führungskultur und Entscheidungswege, die über viele Jahre entstanden und häufig eng mit der Persönlichkeit des bisherigen Unternehmers verbunden sind.
Wurde der Betrieb stark um den Senior aufgebaut, soll der Nachfolger Verantwortung in einem System übernehmen, das weiterhin auf dessen Wissen, Beziehungen und Entscheidungen angewiesen ist. Er soll das Unternehmen weiterentwickeln, ohne seine Traditionen infrage zu stellen, und eigenständig handeln, obwohl wichtige Entscheidungen weiterhin bei der bisherigen Unternehmensleitung abgesichert werden. Familienzugehörigkeit allein kann diese Spannungen nicht lösen.
Eine tragfähige Unternehmensnachfolge setzt deshalb voraus, dass sich nicht nur die nächste Generation entwickelt. Auch Führung, Verantwortungsstrukturen und das Unternehmen selbst müssen auf die Zukunft vorbereitet werden. Die entscheidende Frage ist nicht allein, wer das Unternehmen übernehmen soll, sondern ob es so aufgestellt ist, dass es unter neuer Verantwortung erfolgreich geführt und rechtzeitig verändert werden kann.
Das Erfolgsmodell muss sich weiterentwickeln dürfen
Die Geschichte von Schlecker zeigt, wie nah außergewöhnlicher Erfolg und ein späterer Verlust an Handlungsfähigkeit beieinanderliegen können. Größe schützt nicht vor Fehlentwicklungen. Erfahrung ersetzt keine Zukunftsarbeit. Und ein bewährtes Geschäftsmodell bleibt nur dann wertvoll, wenn es weiterentwickelt werden darf.
Familienunternehmen besitzen dafür besondere Voraussetzungen. Sie können langfristig denken, Wissen über Generationen bewahren und die Erfahrung der Übergeber mit neuen Perspektiven der Nachfolger verbinden. Dieser Vorteil entsteht jedoch nicht automatisch. Er muss durch klare Verantwortung, wirksame Führung und die Bereitschaft zur Veränderung immer wieder neu geschaffen werden.
Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass andere Unternehmer im Rückblick alles hätten besser machen müssen. Sie lautet: Familienunternehmen sollten ihre eigenen Warnsignale erkennen, solange sie noch aus einer Position der Stärke handeln können.
Denn das Erfolgsmodell von gestern darf nicht zum Risiko von morgen werden.
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Der Generationswechsel gehört zu den entscheidenden Phasen im Familienunternehmen. In dieser Zeit wird nicht nur Verantwortung übertragen. Es wird festgelegt, wie das Unternehmen künftig geführt und weiterentwickelt wird. Viele Nachfolgeprozesse sind strukturell gut vorbereitet – bleiben aber in ihrer Wirkung begrenzt. Der Grund liegt in einem zentralen Denkfehler: Unternehmensnachfolge wird als Übergabe verstanden – nicht als Entwicklung. Dr. Hepper setzt genau hier an.
Dr. Hepper entwickelt Nachfolger und Familienunternehmen im Generationswechsel – damit Unternehmensnachfolge zum wirksamen Entwicklungsprozess für Unternehmer, Familie und Unternehmen wird. Nachfolge entsteht nicht in einer Person, sondern zwischen zwei Generationen.
Deshalb wird die Entwicklung von Übergebern und Nachfolgern gemeinsam gestaltet.
Das Besondere:
Dr. Hepper ist selbst als Familienunternehmen mit zwei Generationen aktiv in der Entwicklung anderer Unternehmerfamilien. Dadurch entsteht ein tiefes Verständnis für die Dynamik im Generationswechsel – und die Fähigkeit, Zusammenarbeit zwischen den Generationen gezielt wirksam zu machen. Die Arbeit verbindet über 25 Jahre operative Führungserfahrung auf CEO-Ebene mit wirtschaftspsychologischer Expertise und fokussiert sich auf drei Ebenen: Unternehmergeneration, Führungs- und Entscheidungsstrukturen sowie die strategische Leistungsfähigkeit des Unternehmens. So wird Nachfolge nicht verwaltet, sondern zum Ausgangspunkt einer neuen Entwicklungsstufe – mit dem Ziel, Familienunternehmen unter der nächsten Generation stärker zu machen als zuvor.
Dr. Hepper GmbH
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