Die drei Segmente laufen in diesem Halbjahr auseinander
Die Halbjahresbilanz der gfu trennt den Markt in drei Blöcke, und die entwickeln sich 2026 gegenläufig. Unterhaltungselektronik kam nach Angaben des Verbands auf 12,7 Milliarden Euro und verlor 3,2 Prozent. Elektrogroßgeräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Herde sanken um 5,1 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Elektrokleingeräte legten als einziges Segment zu, um 4,0 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.
Laut gfu erreichten dabei einzelne Warengruppen im ersten Halbjahr 2026 deutliche Zuwächse bei den verkauften Stückzahlen:
- Saug- und Wischroboter: plus 66,1 Prozent
- Rechner mit KI-Funktion: plus 149 Prozent
- Monitore mit organischen Leuchtdioden und hoher Bildwechselfrequenz: plus 75 Prozent
- Kaffeevollautomaten mit Cold-Brew-Funktion: plus 42,5 Prozent
Die Spannweite zwischen einem schrumpfenden Gesamtmarkt und dreistelligem Stückzahlwachstum in einzelnen Warengruppen ist der eigentliche Befund dieser Erhebung.
Die Kaufzurückhaltung erklärt sich nicht allein aus dem Einkommen
Die Verbraucherstimmung stützt einen Teil des Rückgangs. Laut dem Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) steigt der Konsumklimaindikator für September 2026 auf minus 26,6 Punkte und damit um 2,8 Punkte gegenüber dem Vormonat. Die Anschaffungsneigung liegt bei minus 9,8 Punkten und bewegt sich seit vier Jahren kaum. Veröffentlicht hat das Institut die Werte am 28. August 2026; sie beruhen auf rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der Europäischen Kommission geführt werden.
Zwei Befunde stehen damit nebeneinander: Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen verharrt seit Jahren auf niedrigem Niveau, und trotzdem wechseln Haushalte bei Saugrobotern und Rechnern mit KI-Funktion in großer Zahl das Gerät. Gekauft wird nicht mehr, sondern gezielter.
„Ein Markt, der insgesamt schrumpft und bei einzelnen Funktionen kräftig wächst, ist kein widersprüchlicher Markt, sondern ein wählerischer. Wer vergleicht, muss deshalb an der Funktion ansetzen und nicht am Regalpreis“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Was ein Vergleich leisten muss, wenn die Funktion den Ausschlag gibt
Die Warengruppen mit den größten Zuwächsen teilen ein Merkmal: Ihre Funktion ist im Alltag sichtbar. Ein Wischroboter übernimmt eine Arbeit, ein Rechner mit KI-Funktion verspricht sie. Der Unterschied zwischen beiden Versprechen entscheidet über den Nutzen, und er lässt sich am Datenblatt nur schwer ablesen.
Ein Preisvergleich allein trägt hier nicht weit. Nachvollziehbar wird eine KI-Funktion erst, wenn beschrieben ist, welche Aufgabe sie übernimmt und welche Anweisungen sie dafür braucht. In der Sammlung der Provimedia GmbH ist offen dokumentiert, welche Arbeitsanweisungen für KI-Assistenten hinterlegt sind und wie eng ein solcher Ablauf gefasst sein muss, damit er reproduzierbar bleibt.
Woran sich das zweite Halbjahr 2026 messen lässt
Die gfu erwartet von der Funkausstellung Impulse für das zweite Halbjahr; die Messe lief vom 4. bis 8. September 2026 in Berlin. Der nächste Wert des Konsumklimas erscheint Ende September 2026, die nächste Halbjahresbilanz des Verbands im Frühjahr 2027.
Aussagekräftiger als der Gesamtumsatz ist dabei die Frage, ob die Stückzahlzuwächse bei Robotern und Geräten mit KI-Funktion auch dann tragen, wenn der Neuigkeitswert nachlässt. Ein Zuwachs von 66,1 Prozent, wie ihn die gfu für das erste Halbjahr meldet, sagt wenig darüber, wie viele dieser Geräte nach zwei Jahren noch laufen.
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